Home Blog zu Coaching, Stress und Resilienz Die Geschichte mit dem Hammer
26 | 04 | 2018
Die Geschichte mit dem Hammer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gudrun Smith   
Montag, den 17. März 2014 um 14:33 Uhr

Ein Mann will ein Bild aufhängen.
Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer.
Der Nachbar hat einen. 
Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn anzubringen.

Doch da kommt ihm ein Zweifel: was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will?
Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig.
Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile auch nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich.
Und was? Ich habe ihn nichts angetan; er bildet sich da etwas ein.
Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort.
Und warum er nicht? Wie kann man einen Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen?
Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben.
Und da bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß, weil er einen Hammer hat.
Jetzt reicht's mir wirklich. - Und so stürzt er hinüber, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel."

(Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein, Piper Verlag, München, 1984, S. 37f.)

Die Geschichte veranschaulicht wie Gedanken und Emotionen unser Handeln beeinflussen. In dieser Geschichte nehmen die Emotionen überhand und blockieren daraufhin eine sachliche Lösung. Emotionen sind ein wichtiger Teil unseres Lebens. Ein resilienter Mensch empfindet wie jeder andere Emotionen der Wut und des Ärgers. Doch geht er mit diesen Gefühlen anders um. Während unser Mann ohne zu reflektieren auf seine Gefühle und Gedanken reagiert, nimmt sich ein resilienter Mensch Zeit in sich hineinzuhören, seine Gefühle zu ergründen und reagiert danach besonnen. Das kann auch bedeuten, sich eine Auszeit zu erbeten, und ein Gespräch später fortzusetzen.

Das gesamte Verhalten unseres Mannes zeugt von einem Menschen, dessen Persönlichkeit sehr unsicher ist, und in das Verhalten anderer Leute mehr hineininterpretiert als wirklich vorhanden ist. Auch hier würde ein resilienter Mensch sich zurücknehmen, um die Situation in seiner Ganzheit zu beleuchten bevor er antwortet. Unser Mann handelt mit einem Tunnelblick wie er in Stresssituationen häufig gegeben ist.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 17. Dezember 2016 um 13:37 Uhr