26 | 04 | 2018
Lebensspuren PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gudrun Smith   
Dienstag, den 25. Juni 2013 um 16:32 Uhr

Es war einmal ein Vater zweier Söhne. Als er alt und gebrechlich wurde, dachte er über sein Leben nach. Er hatte hart und lange gearbeitet, doch das war schon einige Zeit vorbei und nun war er zu gebrechlich und hatte viel Zeit über sein Leben nachzudenken. Dabei dachte er auch immer wieder über seine beiden Söhne nach. Hatte er wirklich seinen Söhnen das Wichtigste im Leben vermittelt?

 

 

Immer wieder dachte er über die Frage nach und aus irgendeinem Grunde schien sie ihn nicht loszulassen. Daraufhin beschloss er seinen Söhne mit einem besonderen Auftrag auf eine Reise zu schicken. Eines Abends als sie zusammensaßen sagte er zu Ihnen: „Ich möchte euch auf eine Reise schicken, die ich, alt und gebrechlich, nicht mehr begleiten kann. Ihr wisst, dass meine Zeichen bald verblassen werden. Aber mir ist wichtig, dass auch ihr eure persönlichen Spuren und Zeichen im Leben hinterlasst. Beginnt nun damit.“

Am nächsten Tag machten sich die Söhne auf den Weg hinaus in die Welt.

Jeder überlegte sich wie er bleibende Zeichen und Spuren in der Welt setzen könnte. Der Ältere entschied sich dazu Grasbüschen zusammenzubinden, Zeichen in die Bäume zu schnitzen und Löcher zu graben, um seinen Weg zu kennzeichnen.

 

Dagegen hatte der Jüngere eine völlig andere Idee. Er entschied sich mit den Leuten in den Dörfer, die sie auf der Reise passierten zu reden, mit den Dorfbewohnern zu feiern und zu tanzen.

Der Ältere der Beiden wurde zornig, weil der Jüngere in seinen Augen nicht hart genug arbeitete und keine Zeichen setzte.

Nach einer gewissen Zeit entschieden sich die beiden Männer zum Vater zurückzukehren.

Zu Hause angekommen, nahm der Vater mit seinen beiden Söhnen seine letzte beschwerliche Reise auf sich. Auf dieser Reise wollte er die Zeichen, die seine Söhne gesetzt hatten, betrachten.

Als sie zu den ersten Grasbüscheln kamen, waren diese kaum noch zu erkennen, weil der Wind sie verweht hatte. Weiter auf dem Weg stellte sich heraus, dass die gekennzeichneten Bäume teilweise gefällt worden waren und die Löcher, die der Ältere gegraben hatte durch den Wind und die Erosion fast zu geschüttet worden waren.

Der Jüngere, der doch laut seines älteren Bruders faul war, wurde von vielen Dorfbewohnern, denen sie auf ihrem Weg begegneten, freudestrahlend begrüßt. Kinder rannten ihm entgegen. Sie freuten sich den Jüngeren wieder zu sehen und luden die Freunde zum Essen ein.

Nach einiger Zeit endete die Reise und der Vater meinte zu seinen Söhnen: „Beide habt ihr meinen Auftrag Zeichen und Spuren zu setzen, erfüllt. Du, mein Ältester hast viel geleistet und hart gearbeitet, aber deine Zeichen sind verblasst. Du, mein jüngster Sohn, hast Zeichen in den Herzen der Menschen hinterlassen. Diese bleiben und leben weiter.“

(nach einem afrikanischen Märchen)

Welche bleibenden Zeichen setzen Sie?

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 17. Dezember 2016 um 13:37 Uhr