| Der ehrbare Kaufmann |
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| Written by Gudrun Smith |
| Sunday, 27 December 2009 11:12 |
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Die Zahl der Selbstständigen und Freiberufler steigt jedes Jahr und damit auch das Risiko mit der Geschäftsidee zu stranden. In diesem Jahr sind nicht nur kleine Unternehmen insolvent gegangen oder zerschlagen worden, sondern auch namenhafte traditionelle Unternehmen. Als Beispiele seien Schießer, Märklin oder Porsche genannt. Doch warum stehen andere Familienunternehmen auch in der Wirtschaftskrise blendend dar? Weil sie die Ideale der Gründerzeit nach dem Kriege weiterleben. Während des Wirtschaftsaufschwungs hat der geschäftliche Erfolg der Unternehmen, die die alten Tugenden über Bord warfen, dieses kaschiert, doch nun in der Wirtschaftskrise treten die Schwächen schonungslos hervor. Denken wir nur an die größte europäische Privatbank die gerade von der Deutschen Bank übernommen wurde. Die Familie hat mit riskanten Krediten für die sie im Kreise der Familie bürgte, ein unverzeihlicher Kardinalfehler, das über Jahrhunderte angesammelte Vermögen innerhalb einer Generation verspielt. Die meisten Menschen glauben, dass Familienunternehmer verantwortungsvoll handeln, weil sie denken, dass ein Familienvater keine großen Schulden auf sich nimmt, um seinen Kindern das Unternehmen zu vererben. Doch zeigt sich, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Jedes dritte Unternehmen, die meisten davon sind mittelständische Unternehmen, arbeiten immer noch unter der kritischen zehn Prozent Eigenkapitalquote. Wohin das führen kann, haben Unternehmen wie INA und Porsche gezeigt, die durch Firmenübernahmen auf Kredit wachsen wollten. Was früher für "made in Germany" stand, ist heute teilweise Wirtschaftsgeschichte. Einige mittelständige Unternehmen haben anstatt maßvolles Handeln, die Methoden der Hedge-Fonds, der Investmentbanken und der Großkonzerne übernommen, ohne über die Konsequenzen des Handels nachzudenken. Es wurden protzige Firmenzentralen errichtet, ehrgeizige Renditeziele über den nachhaltigen Unternehmenserfolg gestellt und alles von komplizierten und trickreichen Finanzierungsmodellen gestützt. So meinte ein Wirtschaftsjournalist als ich mit meinem kleinen Unternehmen begann, dass ich nur Erfolg hätte, wenn ich meinen Firmensitz nach Hannover verlegen würde. Ich gab ihm zur Antwort, dass ich dieses nicht beabsichtige. Diese Entscheidung war richtig, denn ich habe, dafür bin ich dankbar, bis heute keinen Kredit für mein Unternehmen aufgenommen und meine Auftragsbücher sind obgleich des Standortes, gut gefüllt. Warum haben diese Unternehmer die alten Tugenden über Bord geworfen? Weil sie sich eingebildet haben, in einer bestimmten Liga mitspielen zu müssen. Um in dieser Liga mitspielen zu können, mussten höhere Risiken eingegangen werden. Prof. Michael Krämer beobachtet, dass in unserer Wirtschaft der monetäre Erfolg als Werteorientierung dominiert. Die Beobachtung ist sicher richtig, doch beobachte ich noch eine weitere. Die Qualität der Waren nimmt ab, weil Umsatz und Gewinn höher angesehen sind als Qualität der Ware und der dazu gehörige Service. Wer investiert, verliert. Worin zeichnet sich die ehrbaren Kaufmannseigenschaften aus? Der ehrbare Kaufmann ist ehrlich im Geschäftsleben. Hier geht es nicht um eine moralische Kategorie, sondern um eine zentrale Voraussetzung für Geschäfte. Wenn Ehrlichkeit eine Grundvoraussetzung für Geschäfte ist, beinhaltet dieses natürlich auch die Qualität der Arbeit. Dieses umschließt ein reflektiertes Handeln, ein achtsamer Umgang mit Mitarbeitern und Kunden sowie das Bedenken der Folgen des eigenen Handelns. Schlussendlich sorgt er für Stabilität und Frieden in der Gesellschaft, aber zur gleichen Zeit erarbeitet er einen guten Ruf für sein Unternehmen. Bereits im 13. Jahrhundert waren diese Tugenden bekannt. Berthold von Regensburg schrieb: "Wenn sie auf die rechten Maße und Gewichte achteten und sich des Kardinalübels der Kaufleute, des Schwörens und Lügens beim Ein- und Verkauf, enthielten, dann konnte der Beruf ehrenhaft ausgeführt werden." Ein Kaufmann der zu viel riskierte, der alles Zulässige ausreizte und auf Kosten von Geschäftspartnern Reichtümer anhäufte, verlor seinen guten Ruf und meist führte diese Haltung zum Ruin. In Hannover gab es einen Geschäftsmann, der nach diesen Prinzipien handelte und auch ihn hat die Wirtschaftskrise sein Unternehmen gekostet. Giovanni di Pagnolo Morelli fasst den ehrbaren Kaufmann folgendermaßen zusammen: "Seid misstrauisch, euer Geld oder eure Geschäfte einem Mann anzuvertrauen, der spielt, der ausschweifend lebt, der sich zu aufwendig kleidet, der feiert, kurz einem Mann ohne Hirn." Welche Bedeutung hat das Verhalten des Unternehmens für den Bewerbungsprozess? Ein erfolgreiches Unternehmen, welches die obigen Regeln beachtet, weiß um die Qualität des neuen Mitarbeiters, plant eine langfristige Zusammenarbeit und entlässt nicht sobald ein Auftragsloch kommt, weil die Rendite nicht eingehalten werden kann. Klar muss ein junges Unternehmen konsequenter handeln wie ein Unternehmen, dass bereits Rücklagen bilden konnte, dennoch sind auch in einer solchen Situation immer Wege und Möglichkeiten vorhanden dem Mitarbeiter Türen zu öffnen. Im Falle einer Entlassung kann zum Beispiel ein Outplacement angeboten werden oder wenn das Geld für solch eine Leistung nicht vorhanden ist, mag auch schon ein Bewerbungscoaching Erfolg bringen. Aber es ruft den Bewerber auf vor einer Bewerbung das Unternehmen auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn nicht jede Hochglanzbroschüre hält was sie verspricht. Warum nicht auch mal anrufen und Fragen stellen? Seien sie ruhig mistrauisch. Sagen sie bei Bedarf ruhig nein. |
| Last Updated on Thursday, 02 September 2010 20:36 |




