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06 | 09 | 2010
Schöperisches Zerstören PDF Print E-mail
Written by Gudrun Smith   
Saturday, 01 August 2009 10:17

Wie sieht das Selbstbild moderner Manager aus? Wie gehen heutige Manager mit der veränderten Lage der Wirtschaftskrise um? Vielen meinen Lesern ist vielleicht schon aufgefallen, dass in Unternehmen häufig stromlinien-förmige-Lebensläufe mit Toppositionen besetzt werden. Querdenker werden häufig aussortiert, weil diese Menschen das System in Frage stellen könnten bzw. mit ihren Fragen Zeit, die man scheinbar besser produktiv verwenden könnte, beanspruchen würden.

In einer Studie sind Manager befragt wurden, welches Selbstbild sie von sich haben. Mit geschlossenen Fragen wurden Führungskräfte und Manager zu ihrer Rolle im Unternehmen befragt. Dabei kam manches Profane heraus, doch wurde auch so manche Interessante, aber auch eine erschreckende Erkenntnis gewonnen. Auf einen Geschäftsführer strömen tägliche viele Eindrücke und Anfragen ein, die von diesen Menschen durch hohe Disziplin und starkes funktionieren abgearbeitet werden und ihr Denken und Handeln häufig den Grenzen des Systems anpassen. Erschreckend bringt die Befragung zum Vorschein, dass Manager häufig pflichtbewusst und leistungsorientiert arbeiten, aber die Menschllichkeit im Privatleben suchen und nicht im Unternehmen. So habe ich gerade einen Fall, dem der Kredit in einem europäischen Land gekündigt wurde, weil er nicht in der EU lebt und arbeitet. Dabei hat diese Person monatlich die Kreditraten bezahlt, doch sankt der Wert der Immobilie unter den des Kredites. Wie kann ich einen Kreditnehmer, der zahlt, kündigen? Und wenn die stark vermutete Inflation in wenigen Jahren kommt, ist die Immobilie vielleicht viel mehr Wert als der Kredit. Aber die Kennzahlen besagen...

Das Motto der heutigen Manager könnte so beschrieben werden: "Ich bin, was ich leiste." Eine geschellschaftliche Änderung oder mit einem eigenen Profil Ideen durchzusetzen und darin Zeit zu investieren, ist diesen Menschen fremd. Sie sehen ihren Lebenssinn in der Erfüllung ihrer Aufgaben. Zeit in eigene Ideen zu investieren und diese umzusetzen scheint in der Wirtschaft auf wenig Anerkennung zu stoßen. Daher wird die Menschlichkeit auf das Privatleben konzentiert, welches aber wieder um die Arbeit gebaut wird.

Sind Manager oder Geschäftsführer dazu verdammt als Marionetten im System zu denken oder wollen wir in Zukunft ihre Aufgabe als Lenker eines Unternehmens verstehen? Welches Modell könnte in Zukunft Erfolg haben?

Sicher gibt es den Spruch: 'Never change a running system.' Aber von Schumpeter stammt das 'schöpferische Zerstören' das Neues, Erfolgreiches entstehen lässt. Wenn wir von einer Welt ausgehen, dass in Europa nicht mehr so viele Massenprodukte gekauft werden, weil wir diese in den meisten Haushalten bereits doppelt besitzen, stellt sich die Frage, ob es nicht Zeit ist das kreative Zerstören spätestens jetzt zu beginnen, wenn wir nicht sogar durch die Wirtschaftskrise dazu gezwungen werden. Wenn wir davon ausgehen, dass die Zeit der Kreativen kommt, weil wir keine fünfte Waschmaschine brauchen, dann sollten sich Manager darüber Gedanken machen, ob es nicht Zeit ist ihre Rolle als disziplinierte, funktionierende und im System denkende Rolle in eine aktivere, neue Ideen entwickelnde und auch durchsetzende Führungskräfte zu entwickeln. Sicher bedeutet das in dem ein oder anderen Fall ein neuer Umgang mit den Mitarbeitern, ein auf sie zugehen, Gespräche mit ihnen, um zu erfahren, wo es Entwicklungspotenzial gibt, aber auch die Suche nach neuen Märkten, die zum Portfolio des Unternehmens passen.

Eine Krise wie wir sie im Moment haben, wird den Managertyp in Führungskräfte die nicht immer angepasst sind, sondern auch Ecken und Kanten aufweisen, verändern. Denn jemand der sich reibt, sucht neue Wege und andere Wege. Auch wenn Unternehmen bisher häufig stromlinienförmige Manager gesucht haben, bin ich immer fasziniert wie unterschiedlich die Unternehmenskultur in der Gründergeneration war und wie verschieden die Wege zum Erfolg. Sie haben sich bei weitem nicht umbedingt an Gängiges gehalten, sondern sind gerade aufgrund ihrer einzigartigen Strategie zum Erfolg gekommen. Sie haben sich auch gegen Widerstand durchgesetzt. Auch heute sind gute Führungskräfte keine Marionetten, sondern verändern und gestalten

Gehören Sie zu der Gruppe von Menschen die Karl-Theodor zu Guttenberg bewundern?

Die Frage, die Sie jetzt stellen möchten, kann ich mir wohl denken. Das ist doch ein Politiker. Nein, sein Lebenslauf ist nicht der eines Politikers, sondern eines Geschäftsführers. Er war geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH. Von ihm sagt man, dass er ein Mensch sei, der nicht bereit sei sich der allgemeinem Meinung anzupassen und auch von seinem Vater ist dieses bekannt. Sicher kommt diese Unabhängigkeit zum Teil davon, dass er sich um Geld keine Sorgen machen braucht, aber als Argument dient es in der Überlegung, ob deutsche Unternehmen nicht mutiger Entscheidungen treffen sollten, nicht; denn ein Manager verdient in der Regel genug, um sich um Geld primär keine Gedanken machen zu müssen. Die tragische Geschichte verschiedener Familienunternehmen im Moment zeigt, dass es nicht auf die Höhe der Geldbeträge ankommt, die transferiert werden, sondern auf einen besonnen Umgang mit Geld.

Eine grundsätzliche Überlegung...

In den letzten Jahrzehnten war häufig die Rede von Übernahmen anderer Unternehmen als einzige Möglichkeit entweder auf dem Markt zu bestehen oder zu wachsen. Ich bin davon überzeugt, dass auch hier ein Umdenken in Richtung schöpferischem Zerstören notwendig ist. Das heißt mit Sicherheit langsamers Wachstum, sicher beinhaltet es auch nicht immer in den oberen Top 10 der Unternehmen zu stehen, aber es sichert den langfristigen Erfolg, weil das Unternehmen mit wegweisenden Ideen neue Märkte erobert. Also wo sind die Manager, die den Mut haben Unternehmen für die Zukunft auszurichten?

 

Last Updated on Thursday, 02 September 2010 20:26