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06 | 09 | 2010
eCoaching PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gudrun Smith   
Freitag, den 05. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Was ist eCoaching? Was ist onlineCoaching?

Das Internet ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Es werden E-Mail geschrieben, in Chats geplaudert, über Internettelefonie geklönt und in Business Netzwerken Kontakte geknüpft und Kunden akquiriert. Obwohl der Computer, das Internet, das elektronische Briefeverschicken nicht mehr aus den Alltag wegzudenken ist, erscheint es unglaublich, dass Coaches die Nutzung der neuen Medien für das Coaching häufig skeptisch hinterfragen bzw. rigoros ablehnen. Hier ein Beispiel: "Ich selbst benötige ja - logischerweise - selbst auch Supervision, Coaching etc. Ich selbst kann mir das nicht online vorstellen, ich würde Sie "direkt" haben wollen, mit der ganzen Aufmerksamkeit, meiner und Ihrer ganzen Körpersprache und unserer ganzen Präsenz. Aus solchen Begegnungen ziehe ich Kraft, tatsächliche Lösungstrategien und finde es großartig, "raus" zu sein und nicht schon wieder am Rechner zu sitzen."

Coaching findet in der Regel in beruflichen Umfeld statt und es handelt sich dabei um eine personenbezogene Beratung. Folgende Fragestellungen sind denkbar: "Wie finde ich meine Life-Work-Balance? Wieviel Zeit will ich arbeiten und wieviel Zeit will ich für mich haben?" Ein Thema, dass häufiger bei berufstätigen Frauen auftaucht. Ein weiteres hiermit zusammenhängendes Thema kann die berufliche Rolle sein. Wieder ein Beispiel: "Wie werde ich meiner beruflichen Rolle gerecht ohne meine Kinder zu vernachlässigen?" Stellen Sie sich als letztes vor Sie fühlen sie in ihrer beruflichen Rolle unterfordert, dh. im Coaching wird daran gearbeitet wie sie die berufliche Rolle in einem bestimmten beruflichen Kontext neu definieren können bzw. neu ausfüllen können.

Stufen eines Coachingprozesses

Der Coachingprozess beginnt in der Regel mit einem Erstgespräch bzw. der Vorbereitungsphase in der geklärt wird, ob das Anliegen von dem Coach bearbeitet werden kann und welche Methode bzw.welcher Methodenmix zur Anwendung kommt. Um auch während des Coachingprozesses auf das Anliegen zurückgreifen zu können, wird die Ausarbeitung des Anliegens bereits online erarbeitet. Nachdem das Anliegen formuliert ist, wird der Vertrag entworfen und abgeschlossen. Er beinhaltet das Ziel, die Vorgehensweise und auch die Dauer des Coachings. Wie auch in einem Präsenzcoaching werden auch in einem OnlineCoaching die Spielregeln festgelegt. Wenn der Vertrag unterschrieben ist, kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden. In Meilensteinen, die eine ergebnisorientierte Arbeit ermöglichen sollen, wird das Anliegen portionsweise bearbeitet. Wenn das Coaching optimal abläuft und die Ziele welche sich aus dem Anliegen ergeben haben, erreicht sind oder in greifbare Nähe rücken, wird die Trennungsphase eingeläutet, d.h. der Coachee löst sich von seinem Coach und die Bearbeitung des Anliegens findet ein Ende. Wenn kein Ergebnis nach der vereinbarten Dauer erzielt wird, ist zu prüfen, ob sich eine Weiterarbeit lohnt und welche (Teil-)Ziele erreicht werden können und wie lange die Arbeit fortgesetzt werden soll.

Da es auch passieren kann, dass das Anliegen neu definiert werden muss, gibt der obige Coachingprozess den optimalen Verlauf wieder. Unsere Kunden haben nach Ablauf des Coachings noch weitere vier Wochen die Möglichkeit die Inhalte Ihres Coachings nachzulesen.

Die Coaching-Beziehung

Wie oben ausgeführt, sind die meisten Coaches wie auch Coachee noch der Meinung, dass Coaching face-to-face stattzufinden hat und führen hierzu gerne die Kanalreduktionstheorien an. Bei diesen Theorien geht es darum zu "beweisen", dass, so nicht alle Sinnesorgane einbezogen werden, die Kommunikation mangebelhaftet ist. Hier sollte bewiesen werden, dass die Kommunikation über das Internet zu Störungen in der Kommunikation zwischen Menschen führt.

Studien haben ergeben, dass die Kommunikation bei weitem nicht gestört wird, sondern es vielmehr darum geht die Kommunikation der Aufgabe entsprechend anzupassen. Wenn Sie sich das jetzt nicht vorstellen können, überlegen Sie doch mal, ob Sie nicht auch eine von jenen in der Schule waren, die gerne Zettelchen verschickt hat. Heute finden wir diese Art der Kommunikation in abgewandelter Form in SMS oder in Twitter wieder. Sind wir seit Twitter nicht mehr in der Lage mit anderen Menschen zu kommunizieren?

Wie entwickelt sich eine Beziehung?

Nach Watzlawick ist es überhaupt nicht möglich nicht zu kommunizieren, denn auch Schweigen und Nichthandeln haben Mitteilungscharakter. Wenn wir dieses Axom anerkennen, ist klar, dass jede Kommunikation eine Beziehung beinhaltet. Doch wie erhalte ich diese Beziehung aufrecht? Indem ich mittels Kommunikation wiederholt in Kontakt mit einer Person trete. Daraus lässt sich schließen, dass auch computervermittelte Kommunikation (in schriftlicher Form) eine soziale Beziehung aufbaut.

Die Forschung lässt sogar die Vermutung zu, dass die Entwicklung einer tragfähigen Beratungsbeziehung online sogar leichter ist, wenn die Begegnung ohne Berücksichtigung bestimmter Interessen stattfand. In diesem Versuch wurden einander fremde Probanden für eine bestimmte Zeit gebeten sich paarweise einmal online und einmal offline zu unterhalten und wurden jeweils hinterher zur Sympathie ihres Gegenübers befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Online-Beziehungen mehr Sympathie für ihren Gesprächspartner aufbrachten als bei der Beurteilung ihrer OfflineProbanden. Dabei unterhielten sich die gleichen Personen einmal online und einmal offline, jedoch ohne, dass ihnen bewusst war, dass sie online mit demselben Probanden chatteten, den sie bereits offline kennengelernt hatten.

Als weiteres Ergebnis fanden die Forscher heraus, dass Online-Begegnungen möglicherweise effektiver für die Beziehungsentwicklung waren, da eine stärkere Tendenz am Werk zu sein scheint, das eigene "real me" auszudrücken. Diese Erkenntnis finde ich nicht überraschend, da eine gewissen Anonymität vorhanden ist. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass Menschen sich am Telefon oder wenn Sie etwas niederschreiben viel offner äußern als in einer Face-to-Face-Beziehung in der Scham eine offene und ehrliche Kommunikation verhindern kann.

Welche Ristriktionen ist eine Face-to-Face Kommunikation unterworfen?

In eiiner Face-to-Face Kommunikation sind die Gesprächsteilnehmer immer ohne Zeitverzug voneinander abhängig, es kann immer nur einer sprechen und einer in dieser Gruppe dominiert. Wer in einer Gruppe viel spricht, bleibt auch länger im Gedächtnis. Ein aktiver Sprecher hat auch Einfluss, wer als nächstes sprechen darf und wer eine längere Pause wagt, muss ich erst wieder in die Gruppe "kämpfen". In einer Face-to-Face Kommunikation kann ich nur die vorhandene Zuhörerschaft erreichen und der nächste Redner ist immer ein physisch Anwesender.

Durch die Enträumlichung und Anonymität wird die Enthemmung begünstigt. Das fördert die Offenheit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Partizipation und Egalität. Dennoch ist hier wie in reellen Beziehungen eine kritische Reflektion gefragt. Wie im reellen Leben sollte nicht davon ausgegangen werden, dass sich Status-Unterschiede nivellieren, sondern es stellt die Frage, ob sich netzexterne soziale Hierachien übertragen oder inwieweit neue Status-Differenzen erst bei der Kommunikation im Internet entstehen.

Welche Wirkfaktoren konnten bei einem Face-to-Face Coaching wissenschaftlich gestützt werden?

Zwei Wirkfaktoren, die sich auch im OnlineCoaching feststellen lassen, wurden bisher durch mehrere Untersuchungen bestätigt. Da ist zum einen die "Wertschätzung und Unterstützung der KundInnen durch den Coach" und zum anderen die "Zielklärung im Coaching-Prozess". Beides kann auch online gut umgesetzt werden. Das positive Beziehungen auch virtuell möglich sind, wurde oben beschrieben. Und das Zielklärung keiner Face-to-Face, sondern einer analytischen Hinterfragung bedarf, die auch schriftlich erfolgen kann, sollte uns die Lebenserfahrung gezeigt haben.

Es überrascht, dass OnlineCoaching immer wieder damit konfrontiert wird, dass nicht alle Kanäle angesprochen werden, denn onlineCoaching hat auch sehr große Vorteile gegenüber offlineCoaching. Wenn wir uns mit einem Thema schreibend auseinandersetzen, konfrontieren wir uns mit dem Thema und schreiben in der Regel nicht wie wir sprechen, sondern setzen uns damit auseinander wie vermittele ich meine Gedanken, so dass der Coach ohne Mimik und oraler Äußerungen unsere Auseinandersetzung und Gedanken versteht. Eine Auseinandersetzung ohne Mimik verhindert den Bias der gewünschten Antworten. Während der Coachee in einer Face-to-Face Sitzung anhand des Gesichtsausdrucks erkennen kann welche Antwort der Coach von ihm erwartet, ist dies in der Auseinandersetzung mit einem Thema in schriftlicher Form nicht möglich und focusiert zu einer "privaten Selbstaufmerksamkeit" die aufgrund der Anonymität eine effektivere ergebnisorientierte Arbeit ermöglicht.

Nachhaltigkeit als weiterer Vorteil

Wie im Face-to-Face Coaching ist das OnlineCoaching zeitlich begrenzt. Dennoch sind die Zeiträume über die wir reden sehr verschieden. Das OnlineCoaching ist länger, aber aufgrund der schreibenden Auseinandersetzung tiefer und nachhaltiger. Im Sprachgebrauch heißt es: "Wer schreibt, der bleibt." Damit soll ausgedrückt werden, dass wer einmal eine bindende Willenserklärung abgegeben hat, muss sich daran festhalten lassen" (s. Verträge). Was während des Coachingprozesses geschrieben wird, sollte auch zu einer Verhaltensänderung führen. Daher ist der Prozess des Schreibens und den Coach als "Zeugen" einzusetzen auch einer Verbindlichkeit unterworfen die in einem Face-to-Face Coaching nicht immer gegeben ist, wenn während des Coachings keine verbindlichen "Verträge" zu erarbeitenden Ergebnissen abgeschlossen werden.

Aufgrund dessen, dass der Coachee seine geschriebenen Texte immer wieder lesen kann, erkennt er während des Lesens seine eigene Veränderung und kann sich so vergewissern, dass er während des Coachings "Fortschritte" gemacht hat. Fortschritte sind auch vorhanden, wenn das Ergebnis anders ausfällt als zu Beginn erwartet. Auf diese Art und Weise hat der Coachee gleich eine Art Ergebniskontrolle, wie er sich während der Begleitung durch den Coach entwickelt hat und kann gegebenenfalls Korrekturen vornehmen.

Da die Rolle eines Coaches darin besteht, den Coachee bei der Suche nach seiner Lösung zu unterstützen, ist in meinen Augen die Selbstreflektion ein Kern des OnlineCoachings der durch die Körpersprache und orale Kommunikation behindert werden kann. OnlineCaoching ist nur sinnvoll, wenn der Coachee bereit ist sich ehrlich mit sich auseinanderzusetzen.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 02. September 2010 um 20:23 Uhr