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06 | 09 | 2010
Zukunft der Arbeit PDF Print E-mail
Written by Gudrun Smith   
Friday, 10 April 2009 10:09

Viel lesen wir zur Zeit über die Kurzarbeit und der befürchteten Massenentlassungen im (Früh-) Sommer, da befürchtet wird, dass dann die Kurzarbeit von Unternehmen nicht mehr finanziert werden kann. Diese Situation an sich ist nicht das ganz große Problem, sondern die Kombination von Wirtschafts- und Finanzkrise.

Die Wirtschaft alleine würde sobald der nächste Aufschwung in Sicht käme wieder Menschen einstellen. Aber wenn Sie die Presse in den letzten Monaten verfolgt haben, stellen Sie fest, dass vieles mit dem die Wirtschaft zur Zeit arbeitet, nicht auf Eigenkapital beruht, sondern der Aufschwung vielfach auf Pump lief. Und genau das macht die Kombination unserer jetzigen Situation so präkär.

Wirtschaftssituation

Sogar große weltweit agierende Unternehmen wurden in den letzten sechs Monaten von den Rating Agenturen herabgestuft, weil die Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, gestiegen ist. Das bedeutet auch, dass es für diese Unternehmen schwerer bzw. teuerer wird einen Kredit zu erhalten, weil ihre Kreditwürdigkeit gesunken ist. Welche Auswirkungen dieses auf die Arbeitsplätze hat, können Sie sich vielleicht denken. Daher wird die Wirtschaft in Zukunft langsamer wachsen als wir es bisher gewohnt waren. Wenn Unternehmen schwerer an Geld kommen, denn nichts anderes bedeutet es einen Kredit aufzunehmen, dann werden in Zukunft auch Arbeitsplätze nicht mehr so schnell besetzt werden.

Der Staat stützt im Moment die Banken, weil diese zu viele faule Kredite vergeben haben, die jetzt nicht mehr bezahlt werden können bzw. schon lange nicht mehr bedient wurden, doch von einer Bank zu nächsten weiterverkauft wurden. Diese Blase ist nun geplatzt und der Staat schießt das Geld in die Banken, damit diese nicht Pleite gehen. Der Staat tut dieses sicher nicht uneigennützig, denn zum Einen weiß er, dass diese zu Unruhen in der Bevölkerung führen würde, zum Anderen würde es die Kaufkraft der Bevölkerung noch viel stärker fallen. Aber welche Folgen hat diese Situation?

In der nächsten Zeit werden Arbeitnehmer entlassen und die Insolvenzrate wird steigen. Da der Staat zur Zeit Geld druckt, um einen tieferen Absturz zu verhindern, wird die Inflation nicht ausbleiben. Ab 2010 rechnet die Wirtschaft mit einer steigenden Inflation von 5 bis 10 Prozent. Wie kommt es dazu? Wenn Geld gedruckt wird, ist, sobald die Wirtschaft an Fahrt gewinnt, mehr Geld als nötigt in Umlauf, das heißt, die Preise steigen, weil die Nachfrage steigt und der Staat zu diesem Zeitpunkt das zusätzlich in den Markt gepumpte Geld noch nicht eingezogen hat. Aus der Erfahrung vorheriger Situationen erwarten Wirtschaftswissenschaftler auch dieses Mal eine verspätete Reduzierung der Geldmenge durch die Banken. Die Inflation wird zur Folge haben, dass Arbeitnehmer für das Geld, das sie verdienen weniger kaufen können, da ihre Gehälter zur Inflation versetzt steigen werden. Auch die Unternehmen werden so schnell ihr Personal nicht aufzustocken. Da die Rating Agenturen die Messlatte für Kredite hochsetzen werden, wird es vielen Unternehmen nicht möglich sein über Banken Geld zu erhalten, wenn sie ihre Eigenkapitalrate nicht deutlich nach oben korrigieren. Um das Eigenkapital zu steigern, werden die Unternehmen gezwungen Geld zurückzuhalten, so dass die Produktion von neuen Innovationen in Unternehmen langsamer vorangetrieben wird als dies für einen schnellen Aufschwung, der auch neue Arbeitsplätze schafft, nötig wäre.

Hinzu kommt, dass die Banken in Zukunft stärker als bisher der staatlichen Kontrolle unterliegen werden, wahrscheinlich nicht so schnell wieder selbständig arbeiten. Auch das hat klare Folgen für die Wirtschaft. Es wird damit gerechnet, dass Unternehmen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren schwieriger als bisher an Kredite kommen werden. Ich persönlich rechne damit, dass in Zukunft Geld stärker aus privaten Händen in Unternehmen fließen wird. Das könnte bedeuten, dass die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander driften wird, denn jemand der Geld in erfolgreiche Unternehmen steckt, wird reicher als jene die dieses sich nicht leisten können.

Wo kommen die Arbeitsplätze in Zukunft her?

Der hohe Export Deutschlands zeigt, dass Großindustrien schon lange nicht den Absatzmarkt in Deutschland oder in Europa finden, der ihnen die Existenz sichert. Diese Länder sind hoch entwickelt und in meinen Augen auch gesättigt. Wer braucht denn noch ein drittes oder viertes Auto, die dritte Waschmaschine, etc.? Neben den Auswirkungen der Wirtschaftskrise trifft diese Unternehmen die oben beschriebene Finanzkrise. Diese Kombination wird die Zeitspanne zum nächsten Wachstum auch für international tätige Unternehmen verlangsamen.

Zum anderen hat sich die Forschung von landesweiten Zentren zu globalen Zentren verschoben. Viele schimpfen, dass die Arbeitsplätze im Bereich IT nach Indien ausgelagert werden, doch gilt es zu bedenken, dass Deutschland auch große Forschungsgebiete aufzuweisen hat. So ist Deutschland zum Beispiel für Forschungsunternehmen auf dem Gebiet der Fugzeugentwicklung interessant, so dass in diesem Fall Ausländer nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten.

Daraus lässt sich erkennen, dass es auch in Zukunft Arbeitsplätze geben wird, doch diese Arbeitswelt anders aussieht. Zum Einen wird die Zahl der einfachen Arbeitsplätze, die schlecht bezahlt werden steigen, und zum Anderen wird es Toparbeitsplätze geben, doch müssen diese Arbeitnehmer bereit sein, dort hinzugehen, wo die Technologiezentren für Ihr Fachgebiet angeboten werden. Einfache Arbeitsplätze sind nicht so leicht ins Ausland umzubetten wie vielfach Arbeitsplätze von Akademikern.

Als weitere Zukunftbranchen wird die Medizin und Pharmabranche gehandelt, weil die Bevölkerung immer älter wird und der Lebensmittelbranche werden gute Chancen gegeben, da die Menschen ums Essen nicht herumkommen. Der Energiesektor wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, da der Markt für Alternativenergien an Bedeutung gewinnen wird.

Auch wenn es in Zukunft für viele schwieriger werden wird, reich zu werden, rechnet man damit, dass kreative und innovative Menschen und Unternehmen in den nächsten Jahren erfolgreich sein werden, denn ein Markt der gesättigt ist führt dazu, dass individuell angepasste Produkte bevorzugt werden. Inwieweit die Krise diese Entwicklung erschüttert hat, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren zeigen.

Diese Entwicklung wird in meinen Augen zur Folge haben, dass sich die Industrienationen stärker den "Entwicklungsländern" anpassen. Dass die Industrienationen zur Zeit viel Geld in ihre Wirtschaft stecken, wird diesen Prozess noch beschleunigen, da ich befürchte, dass sie das Geld, das sie investieren nicht so schnell zurückerhalten wie sie es zur Zeit kalkulieren.

Welche Auswirkungen hat das nun für die Arbeit in Zukunft?

Grundsätzlich ist es schwierig darüber Auskunft zu geben, dennoch bin ich davon überzeugt, dass in den sogenannten Industriestaaten die Zahl der Kleinstunternehmen steigen wird. Der Wirtschaftsaufschwung der letzten fünf Jahre hat für Deutschland auf dem Export basiert. Dieser ist nun aufgrund der Weltwirtschaftskrise stark gesunken, so dass die Unternehmen, die aufgrund des Exportes hohe Gewinne einfuhren nun bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnen. Das zeigt auf, wie gering der Absatz im Binnenland ist. Auch die Abwrackprämie wird daran nur zeitlich verschoben etwas für die Autoindustrie ändern.

Bedrohlich halte ich die fortschreitende Entwicklung, dass Produktionsstätten weiter aus den Industrienationen verlegt werden. In meinen Augen wird so die Schere zwischen arm und reich verstärkt, denn für Menschen die praktisch veranlagt sind, aber kein Studium absolvieren, wird es schwer werden in den Industrienationen Arbeit zu finden. Erst vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass die Produktion der Autoindustrie in den nächsten 10 Jahren um circa zwanzig bis dreizig Prozent aus Deutschland abwandern wird.

Viel wird sich in den nächsten Jahren in der deutschen Wirtschaft verändern. Wer in Zukunft Karriere machen will, muss sich nicht darüber Gedanken machen, was er beruflich in Zukunft machen will, sondern auch über die Rahmenbedingungen der neuen Arbeitswelt im Klaren sein. Die Ansprüche werden weiter wachsen und wer nicht bereit ist sich anzupassen, wird kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Zeit der Massenbeschäftigung und die lebenslange Beschäftigung in einem Unternehmen gehen zu Ende und fordern auch von Arbeitnehmer eine Flexibilität wie sie bisher nur Unternehmer kennen.

 

Last Updated on Thursday, 02 September 2010 20:35