| Amerika vs. Deutschland |
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| Written by Gudrun Smith |
| Sunday, 16 November 2008 11:54 |
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Wie kommt es, dass so viele amerikanische Firmen in der "Financial Times Global 500 ranking" stehen und die Deutschen unter ferner liefen? Auf den ersten Plätzen dieser Liste befinden sich Unternehmen wie Exxon Mobile, General Electrics, Microsoft oder Procter & Gamble. Viele dieser Unternehmen sind sicher auch Deutschen ein Begriff. Kennen Sie die GE Money Bank? Diese ist ein Produkt von General Electrics. Oder jeder kennt wahrscheinlich Microsoft. Ich bin mir sicher, dass viele auch viele Deutsche Firmen in Amerika bekannt sind. Nehmen wir die im Moment in die Krise geratenen Automobilkonzerne. Auch E.ON als Strom und Gaslieferant ist sicher in den USA nicht unbekannt und wird auch in der Liste der Financial Times Global 500 ranking geführt, aber leider nur auf Platz 41 und Volkswagen auf Platz 61. Wo liegen die Gründe dafür? Auch wenn viele Amerikaner europäischer Herkunft sind, haben sich doch unterschiedliche wirtschaftliche Kulturen entwickelt. Die Globalisierung hat zur Folge, dass Wirtschaften näher zusammenrücken, so dass Amerikaner von Europänern lernen und Europäer von Amerikanern lernen. Leider war es bisher häufig so, dass das amerikanische Wirtschaftsmodell ohne über die Wirtschaftskultur eines Landes nachzudenken kopiert wurde. Dieses mag sich nun mit der Wirtschaftskrise ändern. Jahrelang haben deutsche Unternehmen über den Atlantik geschaut und Ihre Unternehmen dem amerikanischen Wirtschaftsstil angepasst. Das bedeutete, dass zum Beispiel wie Prozesse und Produktion in Unternehmen zu rationalisieren seien. Auch die Prozessoptimierung wurde nach amerikanischem Modell gerne in deutschen Unternehmen umgesetzt. Deutsche Unternehmen erkannten, dass sie sich mit der Globalisierung dem internationalem Markt stärker anpassen sollten und begannen sich so für die erfolgreichen amerikanischen Managementstrategien wie für deren Unternehmensformen zu interessieren. So kam es zu Beginn dieses Jahrhunderts auch zum verstärkten Interesse an der Aktiengesellschaft. Viele Unternehmen sahen in ihr die Möglichkeit ihr operatives Ergebnis durch harte Kostenkontrolle und Prozessoptimierung zu steigern. Doch besinnen sich deutsche Unternehmen langsam wieder auf ihre unternehmerischen Werte zurück. Die Globalisierung hatte auch zur Folge, dass Teile von Unternehmen auf- bzw. verkauft wurden. Diesen Prozess wird auch die Rückbesinnung auf deutsche Werte in Unternehmen nicht mehr aufhalten, doch hat zum Beispiel die Bahn die Umstellung auf eine Aktiengesellschaft vorerst aufgegeben, selbiges gilt für die Deutsche Bank. Was unterscheidet nun deutsche Unternehmen von amerikanischen? In amerikanischen Unternehmen wird sehr stark kostenorientiert gearbeitet, so dass den Quartalszahlen eine hohe Bedeutung beigemessen wird. Dieses Denken hat auch in deutschen Unternehmen vielfach Einzug erhalten. Zu Beginn der Einführung hat dieses Denken, zu hohen Kosteneinsparungen in Forschung und Entwicklung beigetragen, doch heute, ein paar Jahre später erkennen deutsche Unternehmen die Kurzsichtigkeit dieses Handels. Wenn ich nicht neben den Quartalszahlen auch die strategische Umsetzung im Auge behalten und bereit sind die Strategie höher zu stellen als die Kostenkontrolle, entwickelt sich ein Unternehmen nicht weiter, da die Kreativität den Kosten zum Opfer fällt. Interessanterweise wird in der amerikanischer Literatur aufgerufen mindestens 10 besser 20 Prozent der Gewinns für die Forschung und Entwicklung in das Unternehmen zurückzuführen. Heute erkennen deutsche Unternehmer den Wert ihrer Fachkräfte und haben bereits geäußert, dass sie in dieser Finanzkrise, wenn möglich keine Fachkräfte entlassen wollen, da sie dieses als ihren größten Fehler in der Vergangenheit erkannt haben. Warum? Weil sie blindlinks die Kosten im Auge behielten, aber die Zukunft vergaßen. Deutsche Unternehmen entstammen einer anderen Situation als amerikanische Unternehmen. Daher sind auch die geschichtlichen Erfahrungen und auch die Erwartungen der Gesellschaft in Deutschland anders als in Amerika. Die Deutschen erinnern sich bis heute der Wirtschaftskrisen nach zwei Weltkriegen und auch der Inflation die der Weltwirtschaftskrise in den 1920 vorausging. Daher haben sie gelernt vorsichtig zu sein. Meine Mutter wurde 1928 geboren, so dass meine Großeltern beide Kriege erlebten. Hin und wieder war auch die Inflation von damals ein Gesprächsthema meiner Großeltern bzw. meine Mutter berichte wie ihre Eltern diese erlebten. Trotz der schwierigen Zeiten haben bereits meine Urgroßeltern erkannt, dass es wichtig ist, dass ihre Kinder studieren, so dass bereits mein Opa studiert hatte. Um das zu ermöglichen, haben seine Eltern nach Erzählungen meiner Mutter häufig von Brot und Wasser gelebt. Als meine Mutter nach dem zweiten Weltkrieg studierte (auch mit Auslandssemester in Österreich) ging es ihren Eltern aufgrund dessen, dass mein Opa Hitler durchschaute und dafür sein Leben riskierte, relativ schnell verhältnismäßig gut. Diese Erfahrungen zeigen wie tief die Geschichte bis heute in der Deutschland verankert sind. Aus der Geschichte haben die Deutschen gelernt vorsichtig zu sein. Deutsche Unternehmen haben andere bilanzrechtliche Standards als amerikanische Unternehmen. Da Banken in Deutschland für Kredite und Bürgschaften langfristiges Anlagevermögen wollten, galten diese Investitionen als "Blue chips" für Investoren. In Amerika wurden Kredite viel stärker mit Aktien gesichert als dies in Deutschland üblich ist. Seit der Finanzkrise mussten viele Amerikaner bitterlich lernen wie schnell der Wert ihrer Aktien ins nichts rutschen kann. Sicher erinnern sich manche noch daran wie die Deutschen als die Telekom in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, diese kauften und später erkennen mussten wie die Aktie an Wert verlor. Während in den USA bis zu 25 Prozent der Bevölkerung Aktien halten bzw. hielten, sind dies in Deutschland bloß 10 Pozent der Bevölkerung. Warum sind Deutsche dem Aktienmarkt nicht so aufgeschlossen wie Amerikaner? Ich denke, auch dies ist geschichtlich zu erklären. Während in Amerika die Hire und Fire Mentaliät gang und gebe ist, wurden die Deutschen aufgrund der Globalisierung fast dazu gezwungen diese Mentalität zu übernehmen. Um schnell auf die Wirtschaft reagieren zu können, haben die Deutschen, wenn auch im internationalen Vergleich wenig, Zeitarbeitsfirmen gegründet und wurden von Unternehmen Zeitarbeiter eingestellt, um auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes flexibler reagieren zu können. Wer die Zeitungen verfolgt weiß, dass die ersten Unternehmen schon eine Reihe von Zeitarbeitsfirmen gekündigt haben und damit auf den Anpassung der Wirtschaft regieren. Hier zeigt sich bereits eine Anpassung des deutschen Arbeitsmarktes and die amerikanische Art, doch ist dieses gesellschaftlich nicht von allen akzeptiert. Warum? In Deutschland war es und ist es auch heute noch verpöhnt arbeitssuchend zu sein. Zwar öffnet sich die Gesellschaft diesem Phänomen langsam, doch hört man aus der Wirtschaft regelmäßig Stimmen die sagen, wer arbeiten will ist niemals länger als sechs Monate arbeitssuchend. Wie kommt es zu dieser Einstellung? Junge Menschen suchen auch heute noch nach Unternehmen, die ihnen das Gefühl von Sicherheit geben, d.h. Unternehmen die bereit sind ihre Mitarbeiter weiterzubilden und dafür, wenn möglich lebenslange Zugehörigkeit zum Unternehmen "garantieren". Früher war es üblich, dass in einem Unternehmen ganze Familien ihr Leben lang arbeiteten. Wer eine geraume Zeit in einem Unternehmen arbeitete, wurde als Experte auf seinem Gebiet erachtet und wert geschätzt. Das Unternehmen wußte das Netzwerk seines Arbeitnehmers zu schätzen, so dass Unternehmen gar nicht den Bedarf hatten Unternehmensberater in ihr Unternehmen zu rufen. Deutsche Unternehmen profitierten von ihren engagierten und stark involvierten Arbeitnehmern. Aufgrund der Loyalität die Arbeitnehmer dem Unternehmen gegegen brachten, waren sich die Unternehmer sicher, dass ihre Arbeitnehmer in ihrem Sinne handelten. Heute hat sich diese Situation grundlegend geändert, obwohl ich an einem aktuellen Thema noch deutlich machen werde, wie tief diese Mentalität noch in der Politik verankert ist. Auch deutsche Unternehmen sind heute gezwungen Unternehmensbereiche zu verkaufen oder, wenn sie umstrukturieren, sind sie auch bereit neue Geschäftsfelder aufzukaufen. Aufgrund dieser Veränderung ist schnell zu sehen, dass es heute kaum noch möglich ist lebenslang in einem Unternehmen zu bleiben oder die Gefahr wächst, entlassen zu werden oder aufgekauft zu werden. Daher gibt es zur Zeit in der deutschen Bevölkerung eine starke Verunsicherung, die dazu führt wieder für die Zukunft zu sparen. Daher versuchen Politiker immer mit Konjunkturprogrammen die Kauflust zu steigern. Doch inwieweit ihnen dieses in dieser Wirtschaftskrises gelingt, kann ich nicht voraussagen. Aber ich befürchte, dass diese Versuche in Zukunft immer weniger bewirken werden, da jemand der sich in Zukunft arbeitssuchend meldet, mit repressiven Maßnahmen bereits zu Beginn seiner Arbeitssuche rechnen muss. Das wird in meinen Augen dazu führen, dass sich mancher nicht mehr arbeitssuchend melden wird, sondern versucht Vermögen anzusparen, um über Zeiten der Arbeitssuche allein hinweg zu kommen. Wie tief die Mentalität, dass Arbeitnehmer ein lebenlang in einem Unternehmen tätig sind, sich in der Politik wiederspiegeln, möchte ich an zwei anderen Beispielen zeigen. In Deutschland wird es in Zukunft ein neues Erbschaftssteuergesetz geben. Ohne nun hier auf die Details einzugehen, ist dort vorgesehen, dass Erben, die Erbschaftssteuer für vererbte Unternehmen reduzieren können bzw. nicht zahlen brauchen, wenn sie das Unternehmen sieben bzw. zehn Jahre lang weitergeführen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Lohnsumme mit mindestens 650 % bzw. 1000 % über die Jahre gleich bleibt. Ausgenommen sind Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern. (weiter Informaitonen zur Erschaftssteuer bitte in der Fachliteratur nachlesen). Hier wird denke ich sehr deutlich wie sehr in Deutschland das lebenslange Beschäftigen verankert ist, denn diese Zahlen müssen auch im Fall einer Wirtschaftsrezession eingehalten werden. Hier gibt es für Unternehmen nur die Möglichkeit hohe, langfristige Rücklagen zu bilden, um gemeinsam wirtschaftliche Krisen durchzustehen. Da es für deutsche Unternehmen immer schwieriger wird Kapital von Banken zu erhalten, seit der Wirtschaftskrise noch stärker, ist die Beteiligung der Arbeitnehmer an "seinem" Unternehmen im Gespräch. Wenn also der Arbeitnehmer mit seinem Geld am Unternehmen beteiligt ist, wird er sicher auch in Krisenzeiten kein gesteigertes Interesse haben, dieses zu verlassen, da er seinen Einsatz nicht verloren sehen will. Auch dieses ein Beispiel wie tief in Deutschland lebenslange Beschäftigung politisch verankert ist. Während es in den USA selbstverständlich ist, ein Unternehmen nach zwei bis drei Jahren für eine bessere Position zu verlassen, ist es in Deutschland üblich mit einem Unternehmen durch dick und dünn zu gehen. Auch wenn viele Unternehmen sich der amerikanischen Denkweise annähern, wird in der derzeitigen Wirtschaftskrise meiner Meinung deutlich, dass deutsche Unternehmen zu ihren Wurzeln zurückkehren und wieder an langfristigen Arbeitsverhältnissen interessiert sind. Auch die Politik ist, wie zum Beispiel die Erbschaftssteuerreform zeigt, von diesem Denken noch stark geprägt. Während aufgrund der Personalfluktuation in den USA viele Arbeitsschritte standardisiert sind, damit ein anderer diese schnell übernehmen kann, sind die Arbeitsprozesse in deutschen Unternehmen individuell den Anforderungen angepasst und nicht so einfach an neue Mitarbeiter zu übergeben. |
| Last Updated on Thursday, 02 September 2010 20:18 |




